Ich will eine Familienaufstellung machen. Was ist besser? Soll ich lieber eine Aufstellung in der Gruppe oder eine Einzelaufstellung buchen?
- 6. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Weil mir diese Frage sehr oft gestellt wird, möchte ich hier die individuellen Unterschiede und Vorzüge deutlich machen.
In einer Aufstellung in der Gruppe wird deine Familie oder dein Symptom durch die sogenannten Stellvertreter dargestellt. Du selbst als Themenbringer bist meist am Beginn der Aufstellung erst einmal außerhalb des Feldes und schaust einmal zu, was deine Stellvertreter präsentieren. Das Beeindruckendste an der Gruppe ist, dass völlig fremde Menschen Gefühle und Verhaltensweisen deiner Verwandten wiedergeben, ohne sie zu kennen. Das liefert eine enorme emotionale Beweiskraft, die man alleine schwer replizieren kann. Du siehst zum Beispiel, wie deine "Mutter" sich physisch von deinem "Vater" abwendet - hat das eine visuelle Wucht, die tiefer gehen kann als ein Symbol auf dem Boden.
Der Aufstellungsleiter hält den Raum und die Gruppe trägt den Prozess. Die emotionale Unterstützung und das Mitgefühl der anderen Teilnehmer können sehr heilend und nährend wirken. Die Stellvertreter bewegen sich zudem intuitiv. Diese spontanen Bewegungen im Raum führen oft zu Lösungen, auf die man rein rational oder in der Einzelarbeit vielleicht nicht gekommen wäre.
Auch als Stellvertreter hast du einen enormen Lerneffekt: Oft lernst du in einer Gruppe genauso viel, wenn du für andere aufgestellt wirst. Du merkst schnell: „Hey, diese Gefühle kenne ich auch.“ Das relativiert das eigene Leid oft ein bisschen, schafft Verbundenheit und bietet dir einen eventuellen Wegweiser für deine eigenen Themen.

Wenn dir das Thema sehr privat oder zu schambesetzt ist, bietet dir eine Einzelsitzung maximale Sicherheit. Es sind keine Fremden im Raum und der Berater unterliegt ohnehin der Schweigepflicht.
In der Einzelsitzung arbeitet man meist mit Symbolen, wie zum Beispiel Bodenankern (Papier, Patschen, Sesseln), Holzfiguren oder Kissen, die stellvertretend für Familienmitglieder auf einem sogenannten Aufstellungsbrett oder im Raum platziert werden. Der Coach oder Therapeut konzentriert sich zu 100 % auf dich. Es gibt keine Ablenkung durch die Gruppendynamik.
Im Fokus der Einzelaufstellung ist deine eigene Wahrnehmung. Da keine anderen Personen (Stellvertreter) da sind, schlüpfst du oft selbst in die verschiedenen Rollen. Das kann auf der einen Seite als sehr anstrengend empfunden werden, schult aber auf der anderen Seite deine eigene Intuition und Empathie extrem stark, da du die Gefühle der anderen Positionen am eigenen Leib spürst.

Mein Tipp: Wenn du immer noch unsicher bist, was denn nun das Beste für dich ist, buche zuerst einmal einen Einzeltermin um das Thema eventuell auch erst einmal "vorzusortieren" und dann zu einem späteren Zeitpunkt eine Aufstellung in der Gruppe, um die volle Dynamik und das Lösungsbild im Außen zu erleben.
Gut zu wissen: Termine für Einzelsitzungen sind meist flexibler zu bekommen, während Aufstellungen in der Gruppe immer an vorgegebenen Terminen stattfinden.
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